Heinz Junker - Enrique el loco

Geboren wurde Heinz Junker am 2.10.1931 in Emden, wo er als Jugendlicher noch ostfriesischer Boxmeister im Fliegengewicht wurde. Den beruflichen Werdegang schilderte Jens Prüss anlässlich des 60. Geburtstages von Heinz Junker in der Ausgabe vom 1.12.1991 der "Düsseldorfer Hefte": "(er) zog in die Welt hinaus, um Journalist zu werden. Im Hessischen prügelte er sich um Bücher und (...) nebenher schrieb er kleine Feuilletons für die Frankfurter Allgemeine und trank Gallonen süddeutschen Weins. Die konnte er sich leisten, weil er in Bad Homburg Redakteur einer Tageszeitung war. Bereits in seinem ersten Buch, da war er zweiunddreißig, zeigen sich die wesentlichen Charakterzüge Junkers: Die Bewunderung für die schwäbischen Dichter (Hölderlin, Schiller, Schubart), das Erstaunen über die unversehrte Idylle manch hessischer, fränkischer und schwäbischer Landschaft, und die Liebe zu Homer, zum unverfälschten Leben, zum Alkohol und zu den Frauen. (...) Schriftsteller wollte er dennoch nie werden. Er liebte das gut geschriebene Feuilleton. Junker, damals mit einer Rheinländerin verheiratet, ging zunächst nach Köln, um bald nach Düsseldorf zu finden." Dort war Heinz Junker bis  Juni 1986 als Redakteur, zuständig für Fernsehen und Film, bei der Westdeutschen Zeitung beschäftigt und seither "als schreibender Bauer auf der Kanareninsel-La Palma tätig" (Osnabrücker Zeitung vom 8.10.1986). 1978 unternahm Heinz Junker seine erste Reise nach La Palma; sein Bericht vom 28.10.1978 für die Westdeutsche Zeitung endete allerdings mit einer Fehleinschätzung: "Massentourismus gibt es noch nicht und dürfte es nie geben. Nur 600 Fremdenbetten sind gezählt. Und wenn man weiß, daß gerade die wohlhabenderen Spanier von Teneriffa und Gran Canaria hier ihren Urlaub oder einen Teil ihrer Wochenende verbringen, kann man glauben, was die englischsprachige Wochenzeitschrift "The Canary Island Sun" schreibt: "Ein letztes Paradies."

Wenig später erwarb er auf der Insel La Palma in der Nähe von El Paso ein altes Bauernhaus, verbrachte dort zunächst jährlich mehrere Monate und siedelte 1990 ganz auf die Insel um. Seine ersten Jahre auf La Palma schildert der bereits erwähnte Beitrag von Jens Prüss: "...ein moderner Mensch wollte er nie sein. Vor der Jetztzeit ist er immer wieder nach La Palma, einer kleinen kanarischen Insel, geflohen. Dort haust er in einem steinernen Landhaus ohne elektrischem Licht und fließendem Wasser. In seinem vor drei Jahren (...) erschienenen Buch "Die Pinie zur heiligen Jungfrau - ein Inseltagebuch" nimmt er spöttisch unsere Technikwelt aufs Korn: 'Ein früherer Kollege kommt zu Besuch, er erzählt voller Stolz, daß die Redaktionsarbeit voll auf Computer umgestellt ist. Da er nur von technischen Dingen schwärmt, muß ich ihn und seine Frau langsam in das Leben auf einem einfachen Bauernhof einführen: Also das Abwaschwasser, oder überhaupt gebrauchtes Wasser, zunächst hier in den Eimer hinterm Haus. Das gilt auch für das Wasser, das aus dem Rohr herauskommt, nachdem ihr euch eine Schüssel Wasser über den Kopf gegossen habt. Eimer eins und Eimer zwei, wenn sie voll sind, in den größeren Eimer Nummer drei, der vor der Toilette steht, zum Spülen. Und nach einer Pause: Seht ihr, ich habe auch alles auf Computer umgestellt.' Auch seinen 60. Geburtstag feierte er dort, gemeinsam mit seiner japanischen Lebensgefährtin und einem kleinen Haufen stolzer Bauern und Landarbeiter. Selbstverständlich mit viel 'vino puro'". Heinz Junker, Schriftsteller auf La Palma
Frühjahr 2002: Heinz Junker zusammen mit 
seinen Hunden Bella und Dozo.
Heinz Junker, Schriftsteller auf La Palma
Heinz Junker: Blindenstock und weiße Mütze wurden
ständige Begleiter während seiner letzten Lebensjahre.
Nach seiner Umsiedlung hat Heinz Junker die Insel nur noch für drei längere Reisen nach Japan und einige Kurzaufenthalte in Deutschland verlassen. Der als Fortsetzung von "Die Pinie zur heiligen Jungfrau" geplante Band "Eine Insel stirbt" konnte wegen seiner schweren Augenerkrankung nicht mehr erscheinen.

Am 30. Mai 2006 mußte sich Heinz Junker - unter Einheimischen als "Enrique el loco" bekannt - von seiner geliebten Insel und den Palmeros verabschieden:
"Ya me voy, nos veremos mas tarde...
...ich geh schon mal vor, wir sehen uns später..."


Heinz Junker, Die Pinie zur heiligen Jungfrau Heinz Junker, Die Pinie zur heiligen Jungfrau - Ein Inseltagebuch,
mit Zeichnungen von Eckhart Kopp. 96 Seiten. Format 21 cm x 16 cm.
Das Buch ist in Deutschland im Handel vergriffen, einige Restexemplare sind noch auf La Palma verfügbar. Verkauf  zum Preis von 8,50 Euro:
Info Center La Palma SL
Calle/Antonio Pino Perez 12
38750 El Paso, Tel/Fax 922 497468
(Nähe Supermarkt San Martin)
und
CONTACTO
Calle General Yagüe
38760 Los Llanos de Aridane
Tel. 922-463204 Fax 922-461266
Die folgenden Bücher sind nur noch antiquarisch erhältlich:

Heinz Junker; Ithuriel - ein Märchen, mit Zeichnungen von Johannes Georg Michel, Stierstadt 1955
Heinz Junker, Kleine Chronik, mit Zeichnungen von Johannes Georg Michel und Olaf Rademacher, Stierstadt 1956
Heinz Junker (Hrsg.); Heiter bis literarisch, mit Zeichnungen von Olaf Rademacher, Isny 1962
Heinz Junker; unterwegs und anderswo, heitere feuilletons, mit Zeichnungen
Heinz Junker; Kleine Chronik, mit Zeichnungen von Johannes Georg Michel, Isny 1963
Heinz Junker; Europa kommt aus Asien - Eine Streitschrift, Kleve 1969


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